Liebe jenseits der Dualität

Liebe jenseits der Dualität – Eine Buchvorstellung –

Die Liebe ist ein transformierender Aspekt des spirituellen Weges – und sie ist in der Tat unsere eigene Natur. A.H. Almaas nimmt uns mit auf eine Reise, die über ein enges, individuelles Verständnis von Liebe hinausgeht, hin zu einer Erkundung dessen, was er die grenzenlose Dimension der Göttlichen Liebe nennt. Dies ist nicht die Art von Liebe, die wir für jemand anderen empfinden; sie ist nondual, eine Liebe ohne Grenzen. Oder anders ausgedrückt, sie ist die universelle wahre Natur, die als Liebe erfahren wird. (Aus dem Buchumschlagstext)

Auszug aus Kapitel 1: Eine neue Dimension

In diesem Buch werden wir das erforschen, was ich die grenzenlosen Dimensionen nenne. Man kann sie auch die formlosen Dimensionen oder die Dimensionen der Allgegenwart nennen. Das bedeutet, dass wir über die Dimension der Arbeit mit der individuellen Seele hinausgehen. Mit individueller Seele meine ich unser individuelles Bewusstsein – das, was unsere Subjektivität ausmacht und Träger und Ort all unserer Erfahrungen und Wahrnehmungen ist. Es ist das Bewusstsein, das sich in Raum und Zeit befindet. Um über die individuelle Seele hinauszugehen, bedarf es einiger grundlegender Veränderungen in der Wahrnehmung, und ich möchte gleich zu Beginn darauf hinweisen, dass diese Materie anfangs schwer zu verstehen sein kann. Die menschliche Sprache hat sich entwickelt, um die Sichtweise des Menschen als Individuum auszudrücken, und die Verwendung dieser Sprache zur Beschreibung einer völlig anderen Wahrnehmung der Realität hat ihre Grenzen.

Es kann also durchaus sein, dass diese andere Darstellung der Realität zunächst keinen Sinn ergibt, weil wir die Dinge nicht mehr aus der Sicht der individuellen Seele betrachten. Wenn wir die Seele und ihre verschiedenen Aspekte, ihre grob-, wie feinstofflichen Fähigkeiten und ihre gewöhnlichen und spirituellen Qualitäten studieren, lernen wir etwas über die Natur der Seele und das wahre Wesen des Individuums. Bei dieser Arbeit studieren wir uns selbst und entdecken dabei verschiedene Möglichkeiten, uns selbst zu erfahren. Wenn wir uns mit den grenzenlosen Dimensionen beschäftigen, können wir nicht nur uns selbst, sondern auch die Realität als Ganzes erfahren. Der Fokus verlagert sich von der Erfahrung der individuellen Seele zur Erfahrung der Ganzheit der Existenz. Wir schauen jetzt auf die wahre Natur von allem, auf das ganze Universum, das das physische Universum einschließt, aber darüber hinausgeht.

Um eine religiöse Terminologie zu verwenden: Wir können daran arbeiten, die Seele zu verstehen, oder daran, Gott oder das höchste Wesen zu verstehen. Die Natur von allem zu verstehen, bedeutet zu verstehen, was das höchste Wesen ist, die Natur Gottes oder des universellen Geistes. Und wenn ich hier die Begriffe »Gott«, »göttliches Wesen« oder »höchstes Wesen« verwende, dann meine ich damit kein Wesen, das in irgendeinem Himmel lebt, das Dinge innerhalb der Zeit erschafft und Abgesandte schickt, um uns zu belohnen oder zu bestrafen oder so etwas. Wenn wir so denken, betrachten wir es immer noch aus dem Blickwinkel der individuellen Seele.

In den grenzenlosen Dimensionen gibt es keine getrennten Wesen, weder menschliche noch göttliche. Eines der Haupthindernisse für das Verständnis der grenzenlosen Dimensionen ist das Beharren darauf, sich selbst oder das göttliche Sein als eine Entität zu erleben, die in Raum und Zeit herumläuft und mit anderen Wesen interagiert. Manche Menschen behaupten, Gott habe Raum und Zeit erschaffen, und zugleich sehen sie Gott auch als jemanden, der Beine hat und geht und spricht und all das. Aber wie kann Gott Beine haben und gehen und sprechen und gleichzeitig Raum und Zeit erschaffen? Gott braucht Raum und Zeit, um gehen und sprechen zu können.

Natürlich haben Menschen Erfahrungen oder Visionen von einer Art göttlicher Erscheinung, zum Beispiel einer Gestalt, die auf einem Thron sitzt, und derlei Dinge. Das kann vorkommen, aber es ist nicht das, was ich hier mit der göttlichen oder höchsten Gegenwart und den grenzenlosen Dimensionen meine. Ich meine es im Sinne einer vollständigen Transzendenz der individuellen menschlichen Erfahrung. Es mag Jahre dauern, aber unsere Arbeit an den grenzenlosen Dimensionen wird uns schließlich den wahren Reichtum des Universums zeigen und offenbaren, dass das physische Universum, das die Menschen normalerweise sehen, nur eine dünne Schicht eines vielschichtigen, multidimensionalen Universums ist.

Warum also nennen wir diese Liebe göttlich und betrachten sie als eine grenzenlose Dimension? In gewissem Sinne ist sie göttlich, weil sie nicht die Art von Liebe ist, die man von Mensch zu Mensch, gegenüber jemand anderem empfindet; die nonduale Liebe transzendiert die Subjekt-Objekt-Dichotomie. Aber der Begriff der Göttlichkeit kommt nicht daher, dass sie mit etwas verbunden ist, das Gott genannt wird. Es ist die Qualität dieser Liebe selbst, die ihr Göttlichkeit verleiht, die Qualität des ihr innewohnenden Bewusstseins. Es gibt eine menschliche und eine animalische Qualität des Bewusstseins, aber es gibt auch eine göttliche Qualität.

Diese Qualität offenbart das grundlegende Wohlwollen der Realität auf unmittelbare Weise. Wenn sie als ein Aspekt der Präsenz erfahren wird, der uns als individuelle Seelen betrifft, nennen wir sie lebendiges Tageslicht wegen ihrer spürbaren Güte, ähnlich der positiven Wirkung, die das Sonnenlicht auf alles Leben auf der Erde hat. Es weckt in der Seele ein Grundvertrauen in die verlässliche Güte der Wirklichkeit – ein Gefühl der Sicherheit, der Entspannung und Unterstützung durch die liebevolle Umarmung des Universums. Als grenzenlose Dimension ist sie eine fließende, sanfte, haltende Präsenz von Liebe, die außergewöhnlich fein und zart ist und uns mit ihrer Reinheit berührt. Die vollständige Reinheit dieser Liebe ist von einer Feinheit und Köstlichkeit, die schwer zu beschreiben ist. Es ist eine reine, selbstlose und vollkommen absichtslose Art von Liebe, so köstlich und verfeinert, dass man sie nicht anders als göttlich nennen kann.

Diese göttliche Qualität verleiht der Liebe eine unglaubliche Zartheit und Sanftheit sowie eine staunen machende Schönheit und eine Anmutung von Harmonie. Ihre Grenzenlosigkeit zeigt sich in der Art und Weise, wie dieses exquisite, zarte, weiche, anmutige, harmonische Gefühl von Süße und Präsenz alles durchdringt. Sie durchdringt Wände und erfüllt die Luft. Sie hält die Erde und das ganze Universum, sie durchdringt alles und sie ist alles. Sie ist omnipräsent – sie ist buchstäblich überall und in allem. Sie ist nicht die Liebe von jemandem.

Wenn wir »göttliche Liebe« sagen, meinen wir damit, dass es die Liebe des göttlichen Seins ist, und das göttliche Sein hält das ganze Universum. So wird das ganze Universum, die gesamte physische Realität, einschließlich der Menschen und aller anderen Wesen, als dieses köstliche Gefühl von Reinheit erfahren, das frisch und zugleich intensiv süß ist. Diese Liebe ist so warm und schenkt so viel Geborgenheit, dass man sie mit der Erfahrung von Verliebten vergleichen könnte, aber sie hat eine Qualität, die uns darüber hinausträgt und Leichtigkeit und eine Erfahrung von Loslassen und Freiheit mit sich bringt.

Die göttliche Liebe zu erfahren bedeutet, die Präsenz von Göttlichkeit überall zu erkennen – Göttlichkeit als Liebe, als Präsenz, als Strahlen. Sie ist wie das weiche, goldene Licht, das man sieht, wenn das Sonnenlicht am späten Nachmittag in einen Raum fällt. Nimm diese Qualität des goldenen Lichts und stell dir dann vor, dass es aus allen Objekten um dich herum ausstrahlt, auch aus den physischen Körpern der Menschen, so dass sie aussehen, als wären sie nichts anderes als die Substanz dieses Lichts. Sie leuchten mit seiner Schönheit. Es ist eine exquisite Art der Wahrnehmung, eine köstliche Art des Seins.

Bild: unsplash, Bob Chambers

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