Was ist „Grenzenlosigkeit“?
Lehren des Diamond Approach über Grenzenlosigkeit.
Um eine religiöse Terminologie zu verwenden: Wir können daran arbeiten, die Seele zu verstehen, oder daran, Gott oder das höchste Wesen zu verstehen. Die Natur von allem zu verstehen, bedeutet zu verstehen, was das höchste Wesen ist, die Natur Gottes oder des universellen Geistes. Und wenn ich hier die Begriffe „Gott“, „göttliches Wesen“ oder „höchstes Wesen“ verwende, dann meine ich damit kein Wesen, das in irgendeinem Himmel lebt, das Dinge innerhalb der Zeit erschafft und Abgesandte schickt, um uns zu belohnen oder zu bestrafen oder so etwas. Wenn wir so denken, betrachten wir es immer noch aus dem Blickwinkel der individuellen Seele. In den grenzenlosen Dimensionen gibt es keine getrennten Wesen, weder menschliche noch göttliche. Eines der Haupthindernisse für das Verständnis der grenzenlosen Dimensionen ist das Beharren darauf, sich selbst oder das göttliche Sein als eine Entität zu erleben, die in Raum und Zeit herumläuft und mit anderen Wesen interagiert. Manche Menschen behaupten, Gott habe Raum und Zeit erschaffen, und zugleich sehen sie Gott auch als jemanden, der Beine hat und geht und spricht und all das. Aber wie kann Gott Beine haben und gehen und sprechen und gleichzeitig Raum und Zeit erschaffen? Gott braucht Raum und Zeit, um gehen und sprechen zu können.
Natürlich haben Menschen Erfahrungen oder Visionen von einer Art göttlicher Erscheinung, zum Beispiel einer Gestalt, die auf einem Thron sitzt, und derlei Dinge. Das kann vorkommen, aber es ist nicht das, was ich hier mit der göttlichen oder höchsten Gegenwart und den grenzenlosen Dimensionen meine. Ich meine es im Sinne einer vollständigen Transzendenz der individuellen menschlichen Erfahrung.
Nondual Love: Awakening to the Loving Nature of Reality, p. 2
A. H. Almaas „Liebe jenseits der Dualität“, Seite 20
Anhand dieser Beschreibung des Eintritts in eine grenzenlose Dimension, in diesem Fall der göttlichen Liebe, sehen wir, dass es nicht darum geht, der physischen Realität keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken. Nein, die physische Realität – der Fernseher, der Garten, die Bäume, meine Partnerin, mein eigener Körper – all das ist immer noch da und will wie gewohnt beachtet werden. Darin liegt kein Konflikt, denn wir sehen, dass die physische Realität nicht von unserer essenziellen Natur getrennt ist, und das macht es uns leichter, mit dem Physischen umzugehen, nicht schwieriger. Um es noch einmal zu betonen: In die Grenzenlosigkeit einzutreten bedeutet nicht, das Physische abzulehnen und sich nicht mehr darum zu kümmern. Vielmehr wollen wir unsere physische Realität und unseren Körper so tief wie möglich kennenlernen, und wenn wir tiefer gehen, sehen wir die Wurzeln der physischen Realität, die alles umfassen und die Sehnsucht nach Befreiung und Erlösung in unserer Seele wecken.
Nondual Love: Awakening to the Loving Nature of Reality, p. 84
A. H. Almaas „Liebe jenseits der Dualität“, Seite 112
Aber das Bewusstsein existiert ohne individuelle Erfahrung, ohne ein separates Individuum, das eine Erfahrung macht. In der Grenzenlosigkeit der göttlichen Liebe ist das Bewusstsein, ist Präsenz überall. Es ist überall, so wie überall innerhalb des Physischen, selbst innerhalb der Atome, Raum ist. Nichts entgeht ihm. Es gibt keinen Ort, an dem es nicht ist. Und es ist eine einzige, ungeteilte Ganzheit. In diesem Ozean des liebenden Bewusstseins ist unsere persönliche Präsenz lediglich eine weitere Verdichtung – ein dichterer, vollerer Tropfen des ozeanischen Nektars. Der Ozean der göttlichen Liebe bleibt ungeteilt, und er ist die eigentliche Substanz dieses Nektartropfens, der niemals vom Ozean der Liebe getrennt ist.
Nondual Love: Awakening to the Loving Nature of Reality, p. 14
A. H. Almaas „Liebe jenseits der Dualität“, Seite 33
Wenn wir den religiösen Zugang auf objektive Weise als Teil unserer Entfaltung nutzen, als Teil der Erkundung der individuellen Seele, die sich mit der Wahrheit befasst, dann geht es nicht um die Wahrheit, dass Gott da draußen, außerhalb der Seele, liegt. Zu denken, dass die Wahrheit, die heilige Realität oder Gott außerhalb ist, oder sich zu fragen, ob das Göttliche im Inneren ist, bedeutet, dass wir immer noch an unsere trennenden Grenzen glauben. Die Wahrheit ist weder innen noch außen; sie ist beides und keines von beidem. Das ist die Wahrheit der Grenzenlosigkeit – das heißt, sie ist überall. Wenn wir den ganzen Weg zur Nichtlokalität gehen, erkennen wir, dass die Frage nach dem wo bedeutungslos ist. Die Frage, wo die Wahrheit ist, ob sie im Inneren oder im Äußeren zu finden ist, bedeutet, dass man glaubt, der Raum sei das Nonplusultra der Wahrheit – was aber nicht der Fall ist. Wenn wir uns also der Wahrheit zuwenden und sie lieben, dann denken wir nicht daran, ob sie außerhalb oder innerhalb von uns ist. Wir geben uns ihr einfach hin. Das öffnet die Tür, damit die Wahrheit sich offenbaren kann.
Nondual Love: Awakening to the Loving Nature of Reality, p. 178
A. H. Almaas „Liebe jenseits der Dualität“, Seite 212
