Was ist „Sinnlosigkeit“?
Lehren des Diamond Approach zu „Sinnlosigkeit“
Es ist wichtig, diesen bedeutsamen Wendepunkt in der Reifung des normalen Selbst als das zu begreifen, was er ist: einen spirituellen Wendepunkt. Das Gefühl von Sinnlosigkeit, Vergeblichkeit und Leere im eigenen Leben rührt nicht daher, dass man sich in einer falschen Lebenssituation befindet – etwa im falschen Beruf oder in einer falschen Ehe. Die Seele beginnt, sich ihrer inneren existenziellen Leere bewusst zu werden.
Eine Veränderung der äußeren Lebensumstände wird unsere innere Leere tatsächlich nur dann lindern, wenn diese Veränderung Teil einer umfassenderen und tiefer gehenden Veränderung ist. Zu erkennen, dass diese Sinnlosigkeit und Leere tatsächlich Ausdruck eines Mangels an Selbstverwirklichung sind, ermöglicht es in die richtige Richtung zu schauen, sozusagen: das ist der Beginn der inneren Suche nach tieferer Wahrheit.
Verschiedene religiöse oder spirituelle Vorstellungen, therapeutische Ansätze, die die eigene Leere als Folge mangelnder Befriedigung in der persönlichen Geschichte oder in Beziehungen „erklären“ – oder auch noch stärker nach außen gerichtete Faktoren wie neue berufliche Projekte, neue Beziehungen oder sogar neue Besitztümer – stehen nur allzu leicht zur Verfügung, um das Loch im Sinn des eigenen Lebens zu füllen.
Doch wenn diese Leere gefüllt wird, selbst mit Vorstellungen von Spiritualität, ist es nicht möglich, in die Leere einzudringen und für das Auftauchen der eigenen wahren Natur verfügbar zu werden.
In unserer Arbeit nähern wir uns diesem Thema – wie allen Fragen – durch eine offene, ergebnisoffene Erkundung. Dabei wird der Studierende eingeladen, seine Gefühle zu untersuchen, um deren Wahrheit innerhalb seiner persönlichen Erfahrung zu entdecken. Der Lehrer führt ihn lediglich dazu an, aufrichtig zu erkunden, und weist auf seine Annahmen und Abwehrmechanismen in Bezug auf seine Selbstwahrnehmung hin.
Übersetzt aus „The Point of Existence“, S. 225
Die Sinnlosigkeit zu erfahren, ohne sie unserer äußeren Lebenssituation zuzuschreiben, konfrontiert uns mit der Tatsache, dass wir nicht wissen, worum es dabei wirklich geht. Wir fühlen sie, ohne ihre Wahrheit vollständig zu kennen. Wenn wir die Unterstützung haben, nicht auf unvollständige und indirekte Erklärungen und Vermeidungsstrategien zurückzugreifen, und zugleich die Neugier besitzen, unsere Erfahrung zu untersuchen, können wir das Gefühl der Sinnlosigkeit aushalten – besonders dann, wenn wir eine tiefe Sehnsucht verspüren, ihre Wahrheit zu enthüllen.
Unsere Neugier und unser Interesse, die Wahrheit unserer Erfahrung selbst herauszufinden, können zu einer brennenden, ja leidenschaftlichen Frage werden. Dies ist die innere spirituelle Inspiration, das eigentliche Motiv hinter der spirituellen Suche, der Suche nach Sinn, die in Wirklichkeit die Suche nach der Essenz des Selbst ist.
Um diese Suche zu verfolgen, müssen wir an der Wahrheit unserer Erfahrung interessiert sein, ohne durch Vorstellungen darüber eingeschränkt zu sein, wie diese Wahrheit aussehen könnte oder sogar in welche Richtung wir nach ihr suchen sollten. Wenn wir aufrichtig die Wahrheit erkennen wollen, spüren wir, dass unsere Seele brennt. Wir werden zu einer lodernden Flamme, zu einem brennenden Fragezeichen.
Wir streben nach der Wahrheit, ohne gedanklich zu wissen, wonach wir suchen. Diese Flamme der Suche ist die Seele, die zu ihrem existenziellen Zustand erwacht ist und dessen Leere entdeckt hat. Wir wissen, dass etwas nicht stimmt, und wir wollen leidenschaftlich die Wahrheit darüber aufdecken. Im tiefsten Inneren unserer Seele wollen wir es selbst herausfinden.
Übersetzt aus „The Point of Existence“, S. 227
