Was ist „Göttliches Sein“?
Lehren des Diamond Approach über das Göttliche Sein.
Siehe auch
>> Sein
>> Höchstes Sein
Wenn ich »göttliches Wesen« sage, meine ich das Sein, das die Natur aller Realität ist und mit der Qualität der göttlichen Liebe erscheint; ich meine die Dimension des liebenden Lichts, das leuchtet und ein Gefühl von Herz und Reinheit in sich trägt. Da ich diese Dimension als göttliche Liebe bezeichne und das Sein der unendliche Urgrund ist, aus dem heraus jede grenzenlose Dimension erscheint, bringe ich beide zusammen, um mich auf das göttliche Sein zu beziehen.
Ich sage nicht, dass das Sein nur mit dieser Qualität erscheint, aber wenn es diese Qualität von Liebe und Zärtlichkeit, Leichtigkeit und Freude hat, dann nenne ich es göttliches Sein (2), und damit meine ich im Grunde »das Sein als solches«, das sich mit der ihm innewohnenden Harmonie der Liebe manifestiert.
Ihr werdet feststellen, dass ich, wenn wir anderen grenzenlosen Dimensionen begegnen, nicht unbedingt den Begriff »göttliches Sein« verwenden werde. Ich könnte zum Beispiel »höchstes Sein« verwenden, wenn ich über die Dimension der reinen Präsenz spreche – was ich die Höchste Dimension nenne. Und es stimmt, dass das, was ich göttliches Sein oder höchstes Sein nenne, in vielen Lehren als Gott verstanden wird – insbesondere die mystischen Traditionen neigen dazu, die Erfahrung des Seins als die Erfahrung Gottes zu betrachten.
Diese göttliche Qualität verleiht der Liebe eine unglaubliche Zartheit und Sanftheit sowie eine staunen machende Schönheit und eine Anmutung von Harmonie. Ihre Grenzenlosigkeit zeigt sich in der Art und Weise, wie dieses exquisite, zarte, weiche, anmutige, harmonische Gefühl von Süße und Präsenz alles durchdringt. Sie durchdringt Wände und erfüllt die Luft. Sie hält die Erde und das ganze Universum, sie durchdringt alles und sie ist alles. Sie ist omnipräsent – sie ist buchstäblich überall und in allem.
Sie ist nicht die Liebe von jemandem. Wenn wir „göttliche Liebe“ sagen, meinen wir damit, dass es die Liebe des göttlichen Seins ist, und das göttliche Sein hält das ganze Universum. So wird das ganze Universum, die gesamte physische Realität, einschließlich der Menschen und aller anderen Wesen, als dieses köstliche Gefühl von Reinheit erfahren, das frisch und zugleich intensiv süß ist.
Diese Liebe ist so warm und schenkt so viel Geborgenheit, dass man sie mit der Erfahrung von Verliebten vergleichen könnte, aber sie hat eine Qualität, die uns darüber hinausträgt und Leichtigkeit und eine Erfahrung von Loslassen und Freiheit mit sich bringt.
Es ist jemand da, der eine Erfahrung macht, solange das Universum des Bewusstseins in einen bestimmten Ort des Bewusstseins geleitet wird. Es ist, als ob das Individuum, das eine Erfahrung der grenzenlosen Dimension macht, als eine Art Schließmuskel fungiert, der den Fluss des universellen Bewusstseins so kanalisiert, dass es sich wie seine eigene, besondere Erfahrung anfühlt. Aber wenn dieser Schließmuskel völlig entspannt und der Trichter aufgelöst ist, dann ist da nur noch Präsenz, nämlich das universelle Bewusstsein, das nicht eingeengt ist. Und auf dieser Ebene erkennen wir die Qualität dieses Bewusstseins als reine Liebe.
Das, was dem am nächsten kommt, was wir als Menschen am besten kennen, ist Liebe, obwohl es, wie ich schon sagte, nicht Liebe im Sinne von „jemanden lieben“ ist. Es ist Bewusstsein, es ist Licht, es ist Präsenz. Aber es ist süß.
Wir bewegen uns in ein völlig anderes Universum hinein. In gewisser Weise wechseln wir vom physischen ins himmlische Universum. Das bedeutet nicht, dass wir irgendwohin gegangen sind. Der Himmel ist nirgendwo anders, und Gott lebt nicht in irgendeinem Himmel. Gott, das göttliche Sein ist nichts anderes als die Realität, in der wir uns immer befinden, nur, dass uns das nicht bewusst ist. Die Wirklichkeit ist sie selbst, sie ist sich ihrer selbst bewusst, so wie sie ist, ohne dass sie durch ein einzelnes Individuum hindurch gehen muss. Wir können also von einer Erfahrung der Realität sprechen und denken, dass wir eine solche Erfahrung machen, aber in Wahrheit ist das eine Verzerrung. Es gibt keine Erfahrung der Realität; es gibt nur die Realität.
Es gibt also diese Entwicklung unseres persönlichen Zugangs zum Sein. Zu Beginn besteht die Beziehung aus einem persönlichen Gefühl der Liebe zum Sein und der Verbindung damit. An einem gewissen Punkt entsteht ein Gefühl der Vereinigung. Und dann werden wir schließlich zu einer Erweiterung, zu einem individuellen Ausdruck des Seins. Aber wie gesagt: Das Sein ist nichts Festgelegtes. Wir erforschen es im Moment aus der Perspektive der göttlichen Liebe, also nennen wir es göttliches Sein. Aber das bedeutet nicht, dass wir jedes Mal, wenn wir uns auf das Sein beziehen oder uns selbst als solches erleben, sagen: So ist es nun mal, und mehr gibt es zum Göttlichen oder zum Sein nicht zu erfahren. Denn das Sein hat kein Ende. Es hat keine endgültige Form.
Eine der Herausforderungen bei der Annäherung an die grenzenlosen Dimensionen besteht darin, dass man, je tiefer man in sie eindringt, immer weniger davon hat, da man nicht mehr der zentrale Teil des Bildes ist. Wenn die Menschen das sehen, fragen sie sich oft, warum man es sich überhaupt wünschen sollte, dorthin zu gelangen und was der Sinn des Ganzen ist. Es ist jedoch Teil der Intelligenz und des Mitgefühls des göttlichen Seins, dass es seine Natur zu Beginn häufig auf eine Weise zeigt, die für uns Menschen anziehend und zugänglich ist. Das geschieht durch die Qualität der Liebe. Und so beginnen wir mit der ersten grenzenlosen Dimension, die ich die Dimension der Göttlichen Liebe nenne. Sie erschließt sich uns am einfachsten, weil sie unserer üblichen menschlichen Erfahrung am nächsten ist. Das Wort „Liebe“ bedeutet, dass sich diese Dimension für den Menschen noch vertraut anfühlt; sie ergibt für die individuelle Seele einen Sinn und ist etwas, das wir wertschätzen. Das bedeutet natürlich, dass es neben der Liebe noch andere grenzenlose Dimensionen gibt, wie zum Beispiel Präsenz oder Bewusstsein.
Aber wenn wir die grenzenlosen Dimensionen, die grenzenlose Welt des Seins verstehen, dann erkennen wir, dass die Welt, in der wir leben, tatsächlich ein Ausdruck der Reinheit des Seins ist. Wir beginnen zu sehen, dass die physische Welt – und selbst die Welt des Streits, des Schmerzes und des Leidens – keine vom göttlichen Sein getrennte Welt ist, weil sie nicht von der Liebe oder vom Bewusstsein getrennt ist. Die physische Welt ist das göttliche Sein, nur aus einer begrenzten Perspektive heraus betrachtet.
Genauso verhält es sich mit dem menschlichen Wesen, der menschlichen Seele. Wir können uns aus einer begrenzten oder aus einer offenen Perspektive heraus erleben. Wenn wir uns aus einer offenen Perspektive heraus sehen, sind wir Licht, ein Körper aus Licht. Dann sind wir Präsenz und Fülle, Bewusstheit und Sein (beingness). Wenn wir uns dagegen aus der begrenzten Perspektive unserer Bilder und Identifikationen heraus betrachten, dann werden wir zu einem klobigen physischen Körper mit einer problematischen Persönlichkeit.
Wenn wir hingegen eine Erfahrung machen, dann gibt es immer meine Erfahrung, deine Erfahrung, seine und ihre Erfahrung. Wir können uns keine Erfahrung vorstellen, die nicht mit jemandem verbunden ist, der diese Erfahrung macht. Die Vorstellung von Erfahrung ist also untrennbar mit Besitz verbunden. Wenn wir sagen: „Ich mache eine Erfahrung“ oder „Du machst eine Erfahrung“, dann sagen wir damit, dass die Person diese Erfahrung besitzt. Wir neigen dazu, uns dessen nicht bewusst zu sein. Wir halten es für selbstverständlich, dass eine Erfahrung immer demjenigen gehört, der sie macht. Und deshalb ist es für die Menschen so schwierig, das göttliche Sein zu verstehen. Denn jeder denkt dann, dass das göttliche Sein oder die Einheit des Seins Erfahrungen macht, genau wie wir. Also machen wir das Göttliche oder das höchste Sein zu einer Art individueller Existenz, die in Zeit und Raum lebt und einen Sinn für Eigentum hat.
Da wir diese Vorstellung, dass wir unsere Erfahrungen besitzen, vielleicht nie in Frage gestellt haben, entsteht ein großes Problem, wenn das göttliche Sein beginnt, sich dem Individuum zu zeigen. Das Individuum denkt: „Oh, ich muss hier loslassen. Aber wenn ich das mache, wenn ich mich wirklich hingebe, wer macht dann die Erfahrung? Ich werde etwas verpassen. Ich werde gar nicht da sein, um sie zu genießen!“ Das wird dann schnell zum Kampf. Wir sehnen uns vielleicht nach der Einheit und dem Einssein der Hingabe, aber dann sorgen wir uns darum, dass diese Hingabe bedeutet, dass es nicht unsere eigene Erfahrung sein wird. Es könnte die Erfahrung eines anderen sein, vielleicht die Erfahrung Gottes, aber es wird nicht die unsere sein. Und dann denken wir: „Oh nein, ich will diese Erfahrung machen. Ich möchte diejenige sein, die sich hingibt, und ich möchte bei der Vereinigung und Verschmelzung dabei sein.“
