Was ist die „Erfahrung des Babys“?
Lehren des Diamond Approach zu: „Erfahrung des Babys“
Die Essenz eines Säuglings hat viele Qualitäten oder Aspekte von Essenz, die wir im 2. Kapitel besprochen haben. Ein bestimmter Aspekt dominiert, wenn der Säugling ruht, ein anderer, wenn er aktiv ist, wieder ein anderer, wenn er spielt und so weiter. Es ist ein Zusammenspiel, ein Tanz verschiedener Aspekte, je nach der Situation, der jeweiligen Aktivität, der Zeit und so weiter.
Nicht nur erfährt der Säugling einen Tanz vieler Qualitäten und Aspekte, wir beobachten auch, daß, während er wächst, verschiedene Aspekte von Essenz in verschiedenen Phasen seiner Entwicklung dominieren. Welche Aspekte von Essenz sich am deutlichsten zeigen, hängt von seinem Alter und von der Entwicklungsphase ab, die er gerade durchläuft. Die besonderen Aspekte jeder Phase oder Stufe der Entwicklung hängen organisch mit den Entwicklungsprozessen zusammen, die für diese Phasen spezifisch sind. Zum Beispiel ist im Alter von zwei Monaten bis etwa ein Jahr der dominierende Aspekt eine Art schmelzender süßer Liebe und Verschmelzen mit der Umwelt, besonders mit der Mutter. Das stimmt mit der Entwicklungsphase überein, die Ich-Psychologen die „symbiotische Phase“ nennen, einer Phase, während der der Säugling noch nicht zwischen sich und seiner Mutter unterscheiden kann. Etwa mit sieben Monaten beginnt ein anderer, aktiverer, sich nach außen ausdehnender Aspekt, der mit essentieller Stärke zu tun hat, in den Vordergrund zu treten. Nach einer gewissen Zeit werden die Qualitäten von Freude und Willen dominant, wenn das Kleinkind sich seiner Umgebung bewußter wird und anfängt, sie mit Freude und einem Gefühl von Macht zu erforschen. Danach tritt für eine Zeit der Aspekt essentiellen Wertgefühls in den Vordergrund. Man kann also die Phasen essentieller Entwicklung in Beziehung zu den Phasen der Ich-Entwicklung sehen.
Almaas, A.H. (1986) Essenz, Arbor Verlag, S. 106
